Am Flughafen München wurde Ende Juni 2003 das Terminal 2 in Betrieb genommen - ein hochmoderner Verkehrsbau mit einer zentralen Terminalhalle und einem 1000 m langen Piergebäude. Die Größe des Vorhabens, die an Sicherheit und Funktionalität gestellten Forderungen sowie die Verbindung dieser Kriterien mit dem architektonischen Gesamtkonzept stellten für alle beteiligten Fachplaner eine besondere Herausforderung dar. - Der Praxisvortrag zeigt das neue Terminal aus akustischer Sicht. Dabei werden die einzelnen Planungsphasen von der Vorplanung bis zur Bauüberwachung unter Berücksichtigung der Spezifik eines modernen Flughafengebäudes vorgestellt. Das Spektrum umfaßt u. a. die raumakustische Gestaltung der gläsernen Terminalhalle, die schalltechnische Dimensionierung der Außenbauteile in lärmexponierter Lage neben dem Vorfeld, aber auch bauakustische Themen innerhalb des Abfertigungsgebäudes.
Die HAMANN CONSULT AG war im Auftrag der Flughafen München GmbH als Fachplaner für Raum- und Bauakustik in die Planungen zur Errichtung des Terminals 2 sowie der Gepäcksortierhalle am Flughafen München involviert. Der Umfang der schalltechnischen Planungsleistungen beinhaltete dabei das gesamte fachbezogene Leistungsbild der HOAI von der Vorplanung bis zur Überwachung akustisch relevanter Ausführungsarbeiten.
Das Ziel der raumakustischen Planungen bestand vornehmlich darin, die Voraussetzungen für den Einsatz einer elektroakustischen Beschallungsanlage zu schaffen, mit der in allen öffentlichen Bereichen des Terminals Informationen in einer dem Stand der Technik angemessenen Qualität übermittelt werden können. Für einen modernen Verkehrsbau - wie das Terminal 2 - gehört darüber hinaus die den örtlichen Gegebenheiten und der jeweiligen Nutzung adäquate "raumakustische Behaglichkeit" zu einem der wesentlichen Qualitätskriterien.
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Bild 1: Geometrisches Rechenmodell zur Schallfeldsimulation der Terminalhalle (aus Raynoise) - Beispiel aus dem Vorentwurf - |
Im Vordergrund der raumakustischen Untersuchungen stand die Terminalhalle, deren Bearbeitung aufgrund des riesigen Raumvolumens, der Kubatur und der durch große Glas- und Steinflächen geprägten Architektur eine akustisch anspruchsvolle Aufgabe darstellte (Bild 2). Bereits in der Vorplanungsphase wurden deshalb Modellberechnungen unter Verwendung einer speziellen Computersimulation durchgeführt. Anhand des erstellten geometrischen Rechenmodells der Terminalhalle (Bild 1) war es somit möglich, den Einfluß verschiedener Maßnahmen auf die raumakustische Situation - insbesondere auf die Nachhallzeit in der Halle - zu prüfen und zu optimieren. Im Ergebnis der schalltechnischen Berechnungen und unter Berücksichtigung funktioneller, gestalterischer und wirtschaftlicher Aspekte wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Bauherren, den Architekten und zahlreichen Fachplanern geeignete Schallabsorber dimensioniert, die zu einer wirksamen Reduktion der Nachhallzeit in der Halle führten. Hervorzuheben ist hier insbesondere der Einsatz von gelochten Metallkassettenelementen mit akustisch wirksamer Dämmstoffauflage. Solche Absorberkonstruktionen wurden z. B. im Bereich des Hallendaches vollflächig unterhalb der geschlossenen Dachelemente sowie an den Check-In-Inseln montiert. Darüber hinaus sollten die in der Untergurtebene der Terminalhalle installierten Lichtsegel neben der licht- und wärmetechnischen Funktion auch schallabsorbierende Wirkung besitzen (Bild 4). Zur Auswahl hierfür geeigneter Konstruktionen wurden von der HAMANN CONSULT AG verschiedenartige ein- und mehrlagige Gewebeproben hinsichtlich ihres Schallabsorptionsvermögens im Rahmen von Hallraummessungen analysiert.
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Bild 2: Terminalhalle - Blick von Ebene 05 auf die mittlere Check-In-Insel |
Ein weiterer Schwerpunkt der raumakustischen Planungsleistungen beinhaltete die Pierbereiche des Terminalneubaus (Bild 5). Hier erfolgte die Nachhallzeitregulierung im wesentlichen durch die vollflächig eingebaute Unterhangdecke. Der vorgeschlagene Aufbau - bestehend aus perforierten Metallkassetten mit einer Vlies- und Melaminharzschaumauflage (Bild 3) - wirkt in Verbindung mit dem großen Abstand zur Rohdecke breitbandig schallabsorbierend, was grundlegende Voraussetzung für eine gute Sprachverständlichkeit der über die Beschallungsanlage übertragenen Informationen bildet und gleichzeitig den Schalldruckpegel störender Nutzungsgeräusche mindert.
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Bild 3: Kühldeckenelement: Metallkassette mit Akustikvlies und Kühlsystem |
Neben den benannten öffentlichen Bereichen des Terminals bedurften die flughafenspezifischen Kontroll- und Überwachungsräume - verwiesen sei hier insbesondere auf die IHC-Einsatzzentrale in der Ebene 06 und die Leitwarte im Vorfeldtower - einer gezielten raumakustischen Untersuchung. Ziel war dabei in erster Linie die für eine hochkonzentrierte Tätigkeit notwendige Reduktion von Störgeräuschen, was durch speziell abgestimmte Absorber im Wand- und Deckenbereich, aber auch durch die Ausbildung des Fußbodens und der Einrichtungsgegenstände erreicht wurde.
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Bild 4: Terminalhalle mit Lichtsegel in Untergurtebene der Dachkonstruktion |
Im Hinblick auf die raumakustische Gestaltung des Terminals nicht unerwähnt bleiben sollten z. B. auch Untersuchungen für ausgewählte Räume in der Verwaltung und im Bereich der Lounges.
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Bild 5: Pier kurz vor der Fertigstellung |
Neben den Fragen der Raumakustik waren vielfältige Aufgaben in bezug auf den baulichen Schallschutz innerhalb des Gebäudes aber auch gegen Geräusche von außen zu lösen.
Die Anforderungen, die die einzelnen Bauteile und -konstruktionen hinsichtlich Luft- und Trittschalldämmung erfüllen sollen, wurden im Rahmen der Vorplanung unter Berücksichtigung des geltenden Normen- und Richtlinienwerkes bzw. gesonderter nutzungsspezifischer Forderungen des Bauherren aufgestellt.
In Anbetracht der lärmexponierten Lage des Terminals galt der Schalldämmung der Außenbauteile besondere Beachtung. Unter Berücksichtigung der Außengeräuschsituation, die durch den Vorfeld- und Flugbetrieb geprägt ist, und der entsprechend der jeweiligen Raumnutzung vorliegenden unterschiedlichen Schutzbedürftigkeit der einzelnen Terminalbereiche erfolgte die Dimensionierung der Fassadenbauteile. Der Leistungsumfang umfaßte hierbei die Festlegung des Aufbaus der Verglasung, aber auch die Ausbildung von nichtverglasten Kassettenelementen in Abstimmung mit dem Fassadenplaner.
Der Schwerpunkt der Planungen für den Schallschutz innerhalb des Terminalgebäudes lag im Bereich des Büro- und Verwaltungsriegels sowie bei besonders schutzwürdigen Räumen, die - wie z. B. die bereits oben erwähnte IHC-Einsatzzentrale - für hochkonzentrierte geistige Tätigkeiten und Steuerungsprozesse genutzt werden. Anhand der jeweiligen Raumnutzungen und der damit verbundenen Schutzwürdigkeit gegenüber Geräuschen aus Nachbarräumen erfolgten bauakustische Planungen zur Luft- bzw. Trittschalldämmung von Trennwänden, Bürotüren, Trenndecken und Treppen.
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Bild 6: Gepäckförderanlage |
Darüber hinaus wurden schall- und schwingungstechnische Untersuchungen zu haustechnischen und flughafenspezifischen Anlagen erbracht. Dazu gehören u. a. Planungen zur Aufstellung der Lüftungsanlagen, zur Lagerung der Fahrsteige und Rolltreppen sowie zur Gepäckförderanlage (Bild 6).
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Bild 7: Terminalhalle vor der Eröffnung am 27.06.2003 |
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